Tagung 2008

Tagung der Paul-Ernst-Gesellschaft 

vom 10. bis 13. Mai 2008

in Königsdorf/Oberbayern

(Hotel zur Post, Paul-Ernst-Saal)

 

Programm

 

Samstag, 10. Mai 2008

16.00         Vorstandssitzung

Abendessen

20.00         Lesung aus dem Briefwechsel zwischen Paul Ernst und Karl Scheffler (Briefe aus den Königsdorfer Jahren) durch Stefan Moßhamer und Ralf Gnosa

 

Sonntag, 11. Mai 2008

11.00         Günter Hartung, Halle                                       

Bemerkungen zu Paul Ernsts letztem Gedichtband "Beten und Arbeiten"

 

Mittag

 

15.00           Timo Kölling, Frankfurt a. M.

Paul Ernsts "Der Weg zur Form" als geschichtsphilosophischer Traktat

 

16.00            Marco Bastianelli, Perugia

Wille und Notwendigkeit: Der Einfluß von Paul Ernst auf Ludwig Wittgenstein

 

Abendessen

20.00             Dichterlesung von Timo Kölling

 

Montag, 12. Mai 2008

 

10.30             Johannes Toth, Passau

Lew N. Tolstoj und Paul Ernst 

 

11.30              Klaus-Dieter Buschau, St. Andreasberg

Paul Ernst und der Harz

 

Mittagessen

14.30               Mitgliederversammlung

15.30               Ulrich Erdmann, Kiel

Johannes Schlaf und Paul Ernst - Dokumente einer verdrängten Dichterfreundschaft

 

16.30                Andreas Zeising, Dortmund

Paul Ernst und die moderne Kunst unter besonderer Berücksichtigung seines Verhältnisses zu Karl Scheffler 

 

Abendessen 

20.00               Studententheater Regensburg: "Childerich" von Paul Ernst 

 

Dienstag, 13. Mai 2008

 

10.30               Spaziergang auf den Spuren von Paul Ernst 

 

Abreise 

Tagung 2003

Tagung der Paul-Ernst-Gesellschaft

am 30. und 31. Mai 2003 in St. Georgen an der Stiefing/Steiermark

zum Gedenken an den 70. Todestag ihres Autors

 

 

Ein Bericht von Angela Reinthal

Die Gesellschaft versammelte sich diesmal wieder im idyllischen Schloß in St. Georgen, dem Ort, an dem die Aura des Dichters wohl am deutlichsten spürbar wird. Der Vormittag des ersten Tages war der Vorstandssitzung gewidmet. Am Nachmittag fanden die Mitgliederversammlung und das Totengedenken statt. Die Gesellschaft gedachte vor allem des Ehrenpräsidenten Heinrich Steinmeyer, der am 18. November 2001 in Würzburg verstarb.

Die Tagung begann mit dem Vortrag von Alexander Reck (Stuttgart). Er hat in diesem Jahr den Briefwechsel Paul Ernsts mit Will Vesper mit sorgfältigem und gründlichem Kommentar herausgegeben. Die Korrespondenz begann 1919 und dauerte bis zum Tode Ernsts im Jahr 1933. Alexander Recks Referat faßte die wesentlichen Stationen dieser Beziehung noch einmal zusammen. Will Vesper (1882–1962), einflußreicher Kulturfunktionär des Dritten Reiches und bisher kaum erforscht, gab mehrere Zeitschriften und Anthologien heraus. Ernst sandte ihm Novellen und Erzählungen zur Publikation. Die Veröffentlichungen in Zeitschriften, die bewußt das »deutsche Schrifttum« förderten, rückten Ernst in die Nähe zum Nationalsozialismus. Aufschlußreich an diesem Briefwechsel ist der Gedankenaustausch über die politischen Zustände am Ende der Weimarer Republik. Doch blieb der Kontakt letztlich ein Zweckbündnis.

Am Samstag, dem 31. Mai 2003, setzte Prof. Dr. Günter Hartung (Halle) das Symposium mit dem Vortrag »Ein unbekanntes Meisterwerk: Paul Ernsts Roman Saat auf Hoffnung« fort. Der Roman wurde 1915 publiziert und fand aufgrund der Zeitumstände keine Beachtung. Aufschlußreich für die Entstehung und Konzeption des Romans ist der Briefwechsel Ernsts mit Karl Scheffler. Hier benennt Ernst unter anderem seine Vorbilder für den Roman: Dostojewski, Pontoppidan, Gerhart Hauptmann. Eine wichtige Rolle spielte auch die Lektüre von Zolas Germinal. Die Familientragödie der Steinbeißer im Harz wird vor dem Hintergrund der technologischen Entwicklung dargestellt; das von der Familie betriebene Bergwerk wird unrentabel und es kommt zu einem Arbeiteraufstand. Der Roman handelt nicht zuletzt von der Problematik der ethischen Verantwortung der Besitzenden für das Gesellschaftsganze.

PD Dr. Kurt F. Schobert (Augsburg) referierte über die »Beispielhafte Lyrik Paul Ernsts aus religiösund literaturgeschichtlicher Sicht«. Analysiert wurden zwei Gedichte aus der Sammlung Gedichte und Sprüche. Beide Gedichte spiegeln Ernsts tiefe Religiosität wider. Für Paul Ernst stand die wechselseitige Abhängigkeit von Mensch und Gott fest: nicht nur hat Gott den Menschen, sondern auch der Mensch hat Gott geschaffen. Zudem war der Autor davon überzeugt, daß der Mensch immer nur das ergründen kann, was in ihm selbst begründet ist.

Auf den inneren Menschen kommt es an. Ralf Gnosas (Regensburg)Vortrag befaßte sich mit »Paul Ernsts Auseinandersetzung mit Friedrich Hebbel«. Bezüge zwischen den beiden Autoren wurden schon von Franz Blei in dessen Bestiarium literaricum festgestellt. Ernsts Beschäftigung mit Hebbel begann 1905 nach der Publikation des Demetrios. Dieses Drama hatte Ernst selbst als sein erstes gültiges Drama angesehen. Ernst verfaßte mehrere Abhandlungen über Hebbel. Neben Lob und Anerkennung überwiegt in den späteren Schriften die Kritik an Hebbels Werken. Paul Ernst, der seine eigenen Schriften als konzeptionell gegensätzlich zur romantischen Idee begriff, distanzierte sich 1909 im Aufsatz Hebbel als Romantiker von ihm. Hebbels Dramen haben ihre Wurzeln zu sehr im Empfindungsleben ihres Autors. Dadurch enthalten sie novellistische Züge, die im Drama keinen Platz hätten.

Das Symposium wurde von Dr. Franz Zeder (Deutschlandsberg) mit dem Vortrag »Paul Ernst und Thomas Mann – Differenzen und Gemeinsamkeiten in Literatur, Politik und Literaturpolitik« beschlossen. Das dreiteilige Referat zeigte zunächst, daß sich keiner der Autoren auf das neueste Werk des anderen »stürzte«, daß dennoch die Forschung Parallelen in den Werken beider Autoren entdeckte (zuletzt Victor Zmegac). Der sich an Wagner orientierende Thomas Mann erfuhr über Samuel Lublinski von Ernsts neuklassizistischen Tendenzen. Beider Lebenssituation war stark beeinflußt vom Ersten Weltkrieg und dessen Folgen. Beide reagierten auf diese Einflüsse: Ernst schrieb 1915 den Preußengeist, Mann verfaßte einen geistesverwandten Essay Friedrich und die große Koalition. Es ist zu vermuten, daß Mann in dieser Zeit Ernsts Werk näher zur Kenntnis nahm, findet doch die Vorstellung eines Deutschen Gottes aus Ernsts Erdachten Gesprächen im 14. Kapitel des Doktor Faustus ihren Niederschlag. Während Ernst 1918 im Buch Der Zusammenbruch des Deutschen Idealismus das geistige Fazit der Zeit zog, veröffentlichte Mann im gleichen Jahr die Betrachtungen eines Unpolitischen. Aber alle Gemeinsamkeiten können über die unterschiedlichen geistigen Ausrichtungen der beiden Autoren nicht hinwegtäuschen. Ernst beharrte auf seiner konservativen, antirepublikanischen Haltung und sah in einer Gesellschaft, in der die Bauern den Ton angeben, die Zukunft. Im Denken Thomas Manns spielte eine idealisierte Bauernschaft keine Rolle. Zeder schloß mit einer Anekdote, die gut die politischen Haltungen der Dichter illustrierte: Nach der Verleihung des Nobelpreises an Thomas Mann bemerkte Ernst, der Mitkonkurrent um diese Ehrung, süffisant, daß der Preis eine Genugtuung für Frankreich und eine Ohrfeige für die genuine deutsche Dichtung wäre. Er spielte damit auf Manns Verehrung für die Brüder Goncourt an.

Ergänzt wurde das Symposium von einer Dichterlesung Friederike Schwabs, die sich auch als Malerin präsentierte, und von einem ansprechenden Konzert des Streicherinnen-Quartetts »String Fizz« aus Wien.